Die Artikel über die “richtige” oder die “beste” Position bei der Geburt füllen mittlerweile auch im Netz abertausende Seiten. So schwört manche Hebamme auf den “Vierfüßlerstand”: Vierfüßlerstand (meine persönliche Lieblingsposition): Du kniest auf einer Matte, oder einem Bett und lehnst dich mit dem Oberkörper auf einen Pezziball, die Bettlehne oder einen Stapel Kissen. So kannst du dich optimal ausruhen und trotzdem noch das Becken bewegen. … Viele Frauen „entdecken“ diese Position von ganz alleine und wollen sie nicht mehr verlassen. Auch wenn sich dabei die Knie schon röten. Aber das geht vorbei…Wer allerdings in ältere Lehrbücher oder Traktate schaut, etwa die kritische Untersuchung über Geburtspositionen von J. Unger aus dem Jahr 1805, der findet darin eine glatte Absage an den Vierfüßlerstand: Viel zu unbequem für die Gebärende, sie könne sich zudem darin nicht lange halten, so heißt es da.

Das lässt erkennen: Einigkeit über richtige Positionen herrscht in der Geburtshilfe keineswesgs. Und auch keine Einigkeit darüber, ob eine Position von Nutzen ist, um zum Beispiel Lageanomalien den Kindes zu korrigieren.

Leider nützt der Vierfüßlerstand nichts, wenn es darum geht, die so genannte hintere Hinterhauptslage zu korrigieren. Zu diesem ernüchternd ehrlichen Ergebnis kommt eine Studie von Geburtshelfern aus Genf. Die Schweizer Forscher haben in einer Gruppe von 439 Schwangeren am Geburtstermin und zu Beginn der ersten Geburtsphase 203 zufallsverteilt der Hand-Knie- oder Vierfüßlerposition zugeteilt, 209 erhielten die übliche Betreuung, ohne in diese Position zu gehen. Bei allen lag das Kind in der hinteren Hinterhauptslage.

Die meisten Kinder liegen in der Hinterhauptslage – mit dem Kopf voran. Aber am besten für den Geburtsverlauf ist die vordere Hinterhauptslage, das Baby dreht sich mit dem Hinterhaupt nach außen, schaut nach unten das ermöglicht die optimale Drehung und geringste Belastung des Beckenbodens. Die noch verschieblichen Schädelknochen des Kindes können sich so am besten annähern, was dann den kleinstmöglichen Kopfumfang mit sich bringt.

Aber nicht alle Hinterhauptslagen mit Kopf nach unten, sehen so aus. Die hintere Hinterhauptslage kommt, so die Autoren, bei rund jedem vierten Ungeborenen, das mit dem Kopf nach unten zeigt, beim Einsetzen der Geburtswehen vor und ist die häufigste Fehleinstellung des kindlichen Kopfes. Die auch als “Sternengucker” (weil das Kind bei Rückenlage der Mutter nach oben schaut statt nach unten) bezeichnete Position kann sich im Geburtsverlauf noch ändern, bei 10 Prozent aller Hinterhauptslagen bleibt sie indes bestehen. Andere beziffern die Häufigkeit nach dem Vorkommen in der zweiten Geburtsphase oder am Ende der Geburt und nennen hier 4 bis 10 Prozent. Somit ist eine erhebliche Anzahl von Schwangeren betroffen.

Liegt das kindliche Köpfchen in dieser hinteren Hinterhauptslage, so geht dies – und deshalb wollen Hebammen und Geburtshelfer mittels verschiedener Interventionen schließlich etwas ändern – vermehrt mit Komplikationen einher, weil nur die regelrechte und beste Geburtsposition, die vordere Hinterhauptslage für den geringsten Kopfumfang und die beste Drehpostion sorgt. Im Vergleich dazu dauert bei der hinteren Hinterhauptslage die Geburt länger, es kommt häufiger zur Anwendung von Zange oder Saugglocke, die Mütter müssen vermehrt mit höhergradigen Dammrissen (Grad 3 oder 4 bis hin zum Schließmuskel des Darmes) rechnen, der Blutverlust und das Risiko für Infektionen, speziell auch Wundinfektionen ist größer.

Der Vierfüßlerstand ist nicht geeignet, die Fehlpositionierung von Babys Köpfchen auszugleichen, das hat der Vergleich der beiden Gruppen erbracht. Man hatte erwartet, dass sich der Kopfstand etwa 10 Minuten, nachdem sich die Frauen hinknieten und mit den Armen abstützten, richten würde. Allerdings fanden die meisten Frauen die Position deutlich bequemer, weniger Schmerzen hatten sie dennoch nicht.

Interessant ist die Beobachtung, dass mehr Frauen im Vierfüßlerstand am Ende einen Kaiserschnitt hatten. Das mag ein Zufallsbefund sein, sollte aber alle die aufhorchen lassen, denen diese Position als das Optimum angedient und als mit vielen Vorteilen einhergehend gepriesen wird. Es ist eben so einfach nicht, eine richtige Geburtsposition zu finden und man sieht, dass sich auch eine Geburtsposition als solche keineswegs als echte Hilfe erweist, wenn es vor oder im Verlauf der Geburt Schwierigkeiten gibt.

Quellen:

1. https://www.hebammenblog.de/geburtspositionen/

2. Kritische Untersuchung über die bisher gewöhnlichen Haltungen und Lagen zur natürlichen Geburt: nebst Angabe einer neuen, äußerst bequemen und vortrefflichen Geburtslage : Von J. Unger 1805 – 67 Seiten

3. Guittier MJ, et al.: Maternal positioning to correct occiput posterior fetal position during the first stage of labour: a randomised controlled trial. BJOG 2016;123(13):2199-2207