Eine Petition in Sachen Aufklärung über Geburtsrisiken für mündige Frauen

Die britische Schauspielerin Keira Knightley hat unlängst über ihre Geburt gesagt „Meine Vagina ist aufgebrochen“ und mit drastischen Bildern die Beschönigung des Ablaufs einer natürlichen Entbindung kritisiert. Zahlreiche Frauenärzte fordern schon länger, dass mündige Frauen vor einer Geburt eine umfassende Aufklärung über die damit verbundenen Risiken ebenso verdienen wie vor einem Kaiserschnitt. In einem aktuellen Beitrag  im Deutschen Ärzteblatt lasse ich die weltweit führenden Experten zu Wort kommen, die in Sachen Beckenbodenschäden Pionierarbeit geleistet haben. Anlass dafür war die Tatsache, dass eine der Patientinnen, die sich über diesen Blog an mich wandte, bis zum Petitionsausschuss ging, um mehr Aufklärung zu fordern.

Der Artikel benennt in einem Deutschen Fachblatt erstmals sehr ausführlich die Beckenbodenschäden, die bei einer natürlichen Geburt drohen. Gleichzeitig geht es darum, aufzuzeigen, wer besonders gefährdet ist und was man dagegen tun kann. Insofern eignet sich dieser Text (Link: https://www.aerzteblatt.de/archiv/202437/Beckenbodenschaeden-Besser-als-bisher-ueber-Risiken-vaginaler-Geburten-aufklaeren) auch für alle Frauen, die genauer beim Geburtsvorbereitungsgespräch nachfragen und sich informieren wollen. Sie können ihn nutzen, um ihre Hebamme und ihren Arzt um Aufklärung zu bitten, da es ein offizielles Dokument aus einer Fachzeitschrift darstellt. Die angegebenen Studien stellen genügend Belege zur Verfügung, so dass die Befürchtungen nicht einfach wegdiskutiert werden können. Eine Warnung muss jedoch sein: Die Bilder könnten u.U. ein wenig schockierend werken, da auch ein Vorfall der Beckenbodenorgane darin zu sehen ist. Wer hier empfindsam ist, sollte das bedenken. Ich fasse im folgenden kurz die wichtigsten Aussagen zusammen.  (mehr …)

Je genauer man hinschaut, desto mehr Defekte am Beckenboden werden offenbar

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie/Kernspin offenbaren, dass es nach einer natürlichen Geburt offenbar öfter Schäden am Beckenboden gibt, als man bisher annahm. Eine soeben veröffentlichte Übersichtsarbeit aus Brasilien zeigt mittels 3D-Ultraschall kommt zu der Schlussfolgerung, das Defekte am Levator ani, am wichtigsten Muskel des Beckenbodens, eindeutig mit einer vaginalen Entbindung einhergehen. Dies manifestiert sich nicht selten in einem Abriss (Avulsion) des Muskels von der Hinterwand der Symphyse, des vorderen Teils des knöchernen Beckenrings. Keine der analysierten Studien fand solche Defekte im Ultraschall nach einem Kaiserschnitt.

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Risikoprognose: Ultraschall in 37. Woche hilft Kaiserschnitt voraussagen

Die schlechte Nachricht lautet: Nach wie vor haben Geburtshelfer wenig Anhaltspunkte dafür, ob bei einer Erstgebärenden die Geburt ohne Komplikationen verläuft oder nicht. Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Ärzte und Hebammen dies erforschen wollen. Das ist ein Fortschritt gegenüber den vergangenen Jahrzehnten, in denen die Geburtshilfe zu den medizinischen Fächern zählte, in denen am wenigsten geforscht wurde, den Hinterbänklern sozusagen. Zu den interessanten Befunden, die jüngst in Sachen “Geburtsprognose” veröffentlicht wurde, zählt eine Studie aus Australien. Hier haben Ärzte herausgefunden, dass die Länge des Gebärmutterhalses – gemessen mittels Ultraschall – vorhersagen kann, ob unter der Geburt ein Kaiserschnitt zu erwarten ist oder nicht. (mehr …)

Lässt sich das Risiko für eine Verletzung des Beckenbodenmuskels vor der Geburt bestimmen?

Werdende Mütter machen sich immer öfter Sorgen über Geburtsverletzungen von sich selbst und beim Kind während einer natürlichen Geburt. Hier in einem Forum für Schwangere klingt das so: Guten Abend ihr lieben, … Meine große bekam ich per KS, wegen BEL, da gab es auch damals keine Diskussion für mich! Nun ist es jetzt so (23ssw) das ja grundsätzlich erstmal alles für eine normale Entbindung spricht, auch würde ich dieses Erlebnis gerne mitnehmen! Meine größte Angst ist, nicht die Schmerzen während der Geburt), sondern die Verletzungen, die evt dafür sorgen, dass es hinterher untenrum nicht mehr alles so ist wie es mal war Diese Vorstellung lässt mich wirklich über einen WKS nachdenken, obwohl ich das eigentlich nicht möchte.
Eine weitere Angst, ist die Sauerstoffunterversorgung des Kindes unter der Geburt! Könnt ihr mir irgendwie die Angst nehmen?
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Schwangerschaftsstreifen – ein Hinweis auf drohenden Schaden am Schließmuskel

Schmerzen, Stuhl- und Urinverlust, Scham beim Sex, soziale Stigmatisierung – das sind die Hauptbeschwerden, die einen der schwerwiegendsten Geburtsschaden beschreiben: die Verletzung oder das Einreißen des Darmschließmuskels. Was noch fehlt in diesem S-extett, so schildert es mir eine Patientin, ist die unendliche Wut darüber, dass es überhaupt dazu kommen konnte. “Warum musste das mir passieren, mein Leben ist im Eimer?”, lautete die schonungslose Beschreibung dessen, was an Bedauern und Frust zurückbleibt. Sicher ist dies sehr subjektiv, aber es ist auch ein Aufschrei nach besserer Aufklärung. Fragt man jene Frauen, die einen Geburtsschaden davongetragen haben, so ist oft ihre Hauptbeschwerde, dass man ihnen nicht vorher etwas über die Risiken erzählt hat, ihnen nicht die Wahl ließ, sich eventuell unter Abwägung aller Informationen, für einen Kaiserschnitt entscheiden zu können. (mehr …)