Kaiserschnitt: Doppelt genäht hält besser

Eine der problematischen Langzeitfolgen des Kaiserschnittes betrifft die Narbe: An jener Stelle, wo die Gebärmutter aufgeschnitten und nach der Geburt wieder zugenäht wird, bleibt eine Narbe. Diese unterbricht den Muskelverbund und birgt das Risiko, bei einer späteren Geburt zu reißen – ein dramatischer Verlauf, der für das Ungeborene und die Mutter lebensbedrohlich sein kann. Das ist zwar ein höchst seltenes Ereignis, es überschattet aber immer den Versuch, nach einem Kaiserschnitt noch einmal eine natürliche Geburt zu riskieren. Daher stellt sich die Frage, wie man am besten die Schnittstelle zunäht, um ein späteres Einreißen zu verhindern. Eine Übersichtsarbeit aus den Niederlanden hat sich dieser Frage gewidmet. Das Besondere daran ist vor allem, dass man überhaupt danach fragt: Wie lässt sich der Kaiserschnitt optimieren. Es existiert nämlich kein verbindlicher Standard. Wie bei so vielen anderen Operationen sollte es auch bei dieser darum gehen, stetig an der Verbesserung zu arbeiten. Das geschieht leider viel zu selten. (mehr …)

Problem Pipi, Problem Prolaps – zwei Seiten eines Schadens

Die Botschaft ist nicht neu, nicht für mich und nicht für die, die sich auskennen oder diesen Blog schon länger lesen: Im Vergleich zu einer vaginalen Geburt geht ein Kaiserschnitt mit weniger Harninkontinenz einher und zieht seltener einen Prolaps (ein Absinken der Beckenbodenorgane nach unten) nach sich. Das ist die Hauptbotschaft einer Studie, die unlängst im Journal of the American Medical Association JAMA veröffentlicht worden ist. Die Frauen wurden 5 Jahre nach der Geburt untersucht.

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Nicht nur besser, auch früher als bisher über Risiken im Geburtsverlauf aufklären

Wenn sich die Schwangere stundenlange Wehen in der Eröffnungsphase hinter sich hat, wenn sie irgendwann eine Schmerzstillung mittels Rückenmarksanästhesie (PDA) bekommen hat, dann nur noch liegt, weil es mit dem Gehen doch nicht so gut klappt, wenn sie lange nichts gegessen hat, schwach oder mit einem Wort “vollkommen fertig” ist, dann teilt ihr die Hebamme mit, dass der Muttermund immer noch nicht offen ist, die Herztöne vom Kind schlechter werden, man andere Anzeichen hat, dass es dem Kind nicht mehr so gut geht, man solle doch vielleicht über einen Kaiserschnitt nachdenken. Dann erfolgt meist in Hektik, alle sind schon irgendwie nervös, das, was man gemeinhin “Aufklärung” nennt, wovon aber in so einer Situation nicht ernsthaft die Rede sein kann. Der Mutter ist irgendwann alles egal, der Partner hat Angst um sie und das Kind, wer denkt da über Konsequenzen nach. Eigentlich ist das zu spät, eigentlich sollte man früher mit der Schwangeren über solch ein Szenario reden – das finden jetzt auch Gerichte.

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Eine Petition in Sachen Aufklärung über Geburtsrisiken für mündige Frauen

Die britische Schauspielerin Keira Knightley hat unlängst über ihre Geburt gesagt „Meine Vagina ist aufgebrochen“ und mit drastischen Bildern die Beschönigung des Ablaufs einer natürlichen Entbindung kritisiert. Zahlreiche Frauenärzte fordern schon länger, dass mündige Frauen vor einer Geburt eine umfassende Aufklärung über die damit verbundenen Risiken ebenso verdienen wie vor einem Kaiserschnitt. In einem aktuellen Beitrag  im Deutschen Ärzteblatt lasse ich die weltweit führenden Experten zu Wort kommen, die in Sachen Beckenbodenschäden Pionierarbeit geleistet haben. Anlass dafür war die Tatsache, dass eine der Patientinnen, die sich über diesen Blog an mich wandte, bis zum Petitionsausschuss ging, um mehr Aufklärung zu fordern.

Der Artikel benennt in einem Deutschen Fachblatt erstmals sehr ausführlich die Beckenbodenschäden, die bei einer natürlichen Geburt drohen. Gleichzeitig geht es darum, aufzuzeigen, wer besonders gefährdet ist und was man dagegen tun kann. Insofern eignet sich dieser Text (Link: Besser als bisher über Risiken vaginaler Geburten aufklären) auch für alle Frauen, die genauer beim Geburtsvorbereitungsgespräch nachfragen und sich informieren wollen. Sie können ihn nutzen, um ihre Hebamme und ihren Arzt um Aufklärung zu bitten, da es ein offizielles Dokument aus einer Fachzeitschrift darstellt. Die angegebenen Studien stellen genügend Belege zur Verfügung, so dass die Befürchtungen nicht einfach wegdiskutiert werden können. Eine Warnung muss jedoch sein: Die Bilder könnten u.U. ein wenig schockierend werken, da auch ein Vorfall der Beckenbodenorgane darin zu sehen ist. Wer hier empfindsam ist, sollte das bedenken. Ich fasse im folgenden kurz die wichtigsten Aussagen zusammen.  (mehr …)

Je genauer man hinschaut, desto mehr Defekte am Beckenboden werden offenbar

Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie/Kernspin offenbaren, dass es nach einer natürlichen Geburt offenbar öfter Schäden am Beckenboden gibt, als man bisher annahm. Eine soeben veröffentlichte Übersichtsarbeit aus Brasilien zeigt mittels 3D-Ultraschall kommt zu der Schlussfolgerung, das Defekte am Levator ani, am wichtigsten Muskel des Beckenbodens, eindeutig mit einer vaginalen Entbindung einhergehen. Dies manifestiert sich nicht selten in einem Abriss (Avulsion) des Muskels von der Hinterwand der Symphyse, des vorderen Teils des knöchernen Beckenrings. Keine der analysierten Studien fand solche Defekte im Ultraschall nach einem Kaiserschnitt.

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