“Reiz”thema Harnblase: Es ist nicht immer aufwändig, Blasenentzündungen vorzubeugen

Frauen, die mit Beckenbodenschäden zu kämpfen haben, kämpfen nicht selten an vielen Fronten. Denn die Organe da unten können nicht nur undicht werden – Stichwort Inkontinenz -, sie können nicht nur nach unten sacken – Stichwort Prolaps (Gebärmuttervorfall) und Zelen (Darmvorfall, Scheidenvorfall) – sie können sich auch entzünden. Vor allem bei der Frau, da im Bereich von Harnröhrenöffnung bis Anus per se schon jede Menge Bakterien angesiedelt sind, gute wie schlechte. Zudem ist die Harnblase der Frau ohnehin stark gefährdet für Blasenentzündungen, ihr Damm ist nämlich sehr kurz, der Darmausgang liegt nicht weit entfernt. Darmbakterien gelangen also eher mal in die Blase, und Darmbakterien sind der Hauptauslöser für Blasenentzündungen. Hinzu kommt eine unglückliche Konstellation für Frauen mit Geburtsschäden: Wer nach einer Geburt urininkontinent ist, versucht – oft unbewusst – weniger zu trinken, um nicht so oft auf die Toilette zu müssen. Außerdem wird “frau” dann öfter vorsorglich zum Wasserlassen gehen, um ja nicht von einer zu großen Urinmenge mal beim Niesen oder Heben überrascht zu werden. Infolgedessen wird die Harnblase seltener von großen Urinmengen “durchgespült”. Das wiederum ist eigentlich die Vorbeugung und Therapie für diejenigen, die das vermeiden oder im Falle des Falles behandeln wollen. Ein Dilemma also. Es gibt jedoch Lösungsansätze.

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Therapieempfehlung für Sexualstörungen nach einer Geburt: mehr Sex

Würden Ärztinnen und Ärzte einem Fußballspieler, der körperlich beeinträchtigt ist, so dass er nicht mehr gut Fußball spielen kann, als Therapie empfehlen, mehr Fußball zu spielen? Wohl kaum. Aber bei Beckenbodenschwäche, die bekanntermaßen auch damit einhergeht, dass das sexuelle Empfinden und Erleben eingeschränkt ist, tun Expertinnen oder Experten eben dies. In einer Zeitschrift für Sexualmedizin preisen sie als Methode zur Verbesserung der Muskelkraft des Beckenbodens an, sich per Kegel-Übungen mehr Orgasmen zu verschaffen, um den Beckenboden zu kräftigen. Zugegeben, die Studie ist nicht qualitätvoll, eigentlich müsste man sie ignorieren. Aber um einmal vorzuführen, auf welch abstruse Ideen Forschende kommen, wenn es um Therapieempfehlungen für Frauen nach der Geburt geht, und um zu zeigen, wie sie eigentlich die wirklichen Probleme damit ignorieren, möchte ich dies zum Jahresabschluss gern beleuchten. 

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Dialog mit einer Physiotherapeutin über den Beckenboden

Beckenbodenphysiotherapeutinnen sind oft näher an den Problemen und Sorgen der vielen Mütter nach Geburten dran als Frauenärzte und Frauenärztinnen. Sie sehen diese Patientinnen und arbeiten mit ihnen, sie wundern sich selbst oft, wie wenig mancher Frauenarzt, manche Frauenärztin über die Verletzungen des Beckenbodens Bescheid wissen und ihre Patientinnen vertrösten, beschwichtigen, abwiegeln – ja, nicht einmal gute Ratschläge in punkto weiterführende Diagnostik geben können. So manche Patientin erfährt leider erst in der Physiotherapie, dass sie wegen ihrer Stuhlinkontinenz und zur Untersuchung der Schließmuskeln besser einen Proktologen aufsuchen sollte. Dies und vieles mehr bespreche ich mit Sabrina Nieland, Physiotherapeutin und Heilpraktikerin in Hamburg, in diesem Interview über die Themen meines Buches (Danke an Sabrina für diese Plattform und den informativen Austausch!). Ich freue mich einerseits, dass sie aus ihrer physiotherapeutischen Erfahrung so vieles aus der Praxis bestätigt, das ich in meinem Buch aufgrund meiner Recherche darstelle. Andererseits macht es einen traurig, dass auch von dieser Berufsgruppe bestätigt wird, wie schlecht es den Frauen mit ihren Beckenbodenschäden nach der Geburt geht. Und dass sie leider ebenfalls beobachten, dass sogar bei Verdachtsmomenten auf erhebliche Geburtsrisiken nicht besser aufgeklärt wird. Daher ist es wichtig, über jedwedes Medium dieses Wissen zu teilen: https://www.instagram.com/tv/CkrCJHsKRFN/?utm_source=ig_web_copy_link 

In eigener Sache: “Untenrum offen” erschienen

Danke für alles Feedback zum Buch. Ich leite aus einem der Kommentare auf Amazon ab, dass die Mission wenigstens zur Hälfte erfüllt ist: Wenn man nach der Geburt merkt, dass etwas nicht stimmt… Sollte man dieses Buch lesen. Es erspart das wochenlange herumgoogeln. Man erhält die wichtigsten Informationen gebündelt und vor allem gut recherchiert und realistisch dargestellt. Es wird auf blumige Umschreibungen wie in anderen Medien verzichtet, die Dinge werden beim Namen genannt. Man wird bestärkt sich wirklich qualifizierte Hilfe zu suchen. So war es gedacht. Aber das allein genügt nicht. Oder? Mich hat ein Satz aus einer Social Media Gruppe zutiefst bewegt, den ich hier zitieren darf: 

“Ich kann euch nur sagen, dass ich heute weinend vor meinem Mann stand weil ich das erste Mal seit 1,5 Jahren nicht bei jedem Schritt meinen Gebärmutterhals und meine Blase in mir gespürt habe und nicht mehr das Gefühl habe ich falle nach unten auseinander und alles purzelt aus mir raus. Also ja, für heute war es die richtige Entscheidung 🙂.”

Freundlicherweise hat mir die Betroffene erlaubt, ihn hier auf meiner Seite zu zitieren. Ich empfinde es als zutiefst verstörend, dass es solche Frauenschicksale gibt. Keine Frau sollte das eineinhalb Jahre ertragen müssen, das Gefühl haben, sie falle nach unten auseinander und alles purzele heraus. 

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Den Beckenboden schützen ist leichter gesagt, als getan

Im letzten Blog konnte ich anhand eines umfassenden Artikels zum Beckenbodenschutz von führenden deutschsprachigen Urogynäkologinnen und Urogynäkologen nachweisen, dass das Thema Dammschutz in deutschen Kreißsälen nicht ernst genommen wird. Eine der wenigen Maßnahmen, die nachweislich helfen – warme Kompressen – werden kaum angewendet. Das ist umso sträflicher, als es wenig anderes gibt, was Hebammen und ärztliche Geburtshelfer und -helferinnen tun können, um den Damm zu schützen. Dammschutz wird vollmundig in den Geburtsvorbereitungskursen oder an Tagen der offenen Tür in Geburtskliniken versprochen. Dass die Wissenschaft zahlreichen Maßnahmen bescheinigt, nicht zu wirken, kommt bei den oft beschwichtigenden Veranstaltungen nicht zur Sprache. In diesem Blog gibt es bereits einen Beitrag zum äußerst fraglichen Nutzen des Epi-No®-Beckenbodentrainers. Schon 2016 wussten Leserinnen dieses Blogs, dass sie sich nicht darauf verlassen sollten, vor der Geburt damit die Scheide zur Unzeit auf zu dehnen. Die jüngste Bestandsaufnahme bestätigt dies: der Epi-No® verringert nicht die Zahl der Schließmuskelverletzungen am Darmausgang, nicht die Anzahl der Dammschnitte und nicht die Dauer der Austreibungsperiode, um die wichtigsten Kriterien zu nennen. Aber wir erfahren im Artikel noch viel mehr. (mehr …)