Gebären – für manche ein Ding der Unmöglichkeit

Biomechanisch ist eine Geburt schlechterdings unmöglich – so lautete das Urteil eines Ingenieurs. Und dieses führt Prof. Dr. John O. L. DeLancey, Chefarzt der Universitätfrauenklinik in Ann Arbor/Michigan, immer dann an, wenn er über Beckenbodenschäden schreibt. Delancey gehört zu jenen unermüdlichen und enthusiastischen Geburtshelfern, die schon seit langem nach Möglichkeiten suchen, treffsicherer als bisher Geburtsschäden vorherzusagen. Eine natürliche Geburt ist nach wie vor der Hauptrisikofaktor für einen Organprolaps, ein Herabsinken und Herausfallen von Beckenorganen wie der Gebärmutter, wenn der Beckenboden nach einer Geburt zu schwach geworden ist. Nach nur 2 natürlichen Geburten verachtfacht sich dieses Risiko sogar. “Unglücklicherweise”, so betont DeLancey, “erkennen wir die meisten Risikofaktoren erst nach (!) der Geburt, also wenn es zu spät ist. Daher sollen sich die nächsten Blogbeiträge den Anzeichen widmen, die zumindest einen gewissen Anhalt dafür geben, ob es gut- oder schiefgehen könnte. Damit Schwangere sich vorher entscheiden können und nicht nachher mit ihren Defekten hadern müssen. (mehr …)

Die schlimmsten Geburtsschäden haben einen Namen: Fisteln

Wer wissen will, welche körperlichen Schäden die Geburt an einem Frauenkörper hinterlassen kann, der muss in Länder schauen, in denen Frauen keinen Zugang zu moderner Geburtshilfe haben: Weltweit leben 2 Millionen Frauen mit Fisteln, bis zu 100.000 kommen jährlich neu dazu, nur rund 15.000 werden operativ behandelt. Geht es mit der Geburt nicht vorwärts, dann kommt es zu Einrissen im Gewebe, die zu ganz unnatürlichen Verbindungen innerhalb der Beckenorgane führen. Es entstehen Fisteln als Verbindungen zwischen dem Darm und der Scheide oder der Harnblase und der Scheide, so dass Stuhl oder Urin aus der Scheide herausläuft, in 15 Prozent der Fälle auch beides. (mehr …)

Sollen Schwangere dem Bauch vertrauen oder dem Ultraschall?

Es klingt toll, wenn ein Chefarzt an die Kraft der Schwangeren appeliert: Chefarzt Prof. Dr. med. Michael Abou-Dakn tut im Blog der Firma Medela im April 2018 kund, weshalb er sich wünscht, dass Schwangere wieder mehr ihrem Bauch vertrauen. “Früher wurde die Schwangerschaft ja als Zeit der guten Hoffnung bezeichnet. Man schaute positiv auf das Mysterium, das da im Bauch heranwuchs. Seitdem wir das Kind quasi als Patient mitentdeckt haben, sind viele Frauen auch verunsichert. Es würde mich sehr freuen, wenn Frauen wieder mehr ihrem Bauch vertrauen. Deshalb sage ich immer: Nutzt die Zeit der guten Hoffnung und macht euch keine Sorgen!” Aber wenn er dann auf Station ist, dann macht er doch zur Sicherheit lieber Ultraschall. Das entnehmen wir einer wissenschaftlichen Veröffentlichung aus seiner Klinik. Am besten so nah wie möglich am Geburtstermin, damit man sich auch nicht verschätzt. Also soll das Mysterium doch besser kein Mysterium bleiben, sondern lieber aufgedeckt und vermessen werden, je exakter, desto besser. (mehr …)

Müttern Angst machen vor dem Kaiserschnitt ist unfair – und wissenschaftlich unredlich

„Tradition suggests that mothers will unhesitatingly sacrifice their welfare in the interest of their babies”, sagt zum Beispiel Dr. W. Benson Harer jr., Chefarzt in Moreno Valley in Kalifornien. Mütter wollen, dass ihr Kind gesund geboren wird und gesund bleibt. Die Sorge um das Kind ist ein probates Mittel, um Schwangere zu beeinflussen, dafür tun Mütter alles, damit hat man sie am Haken. Umso perfider ist es, wenn Kaiserschnitt und natürlicher Geburt gegeneinander ausgespielt werden. Dies geschieht jetzt leider aufgrund einer Studie, die sich gut dazu eignet, missbraucht zu werden, weil viele wissenschaftliche Erkenntnisse außer Acht gelassen werden. Wer als Schwangere auf die Angstmache nicht hereinfallen will, wer sich nicht irre machen lassen will, muss genau hinsehen. (mehr …)

Trauma Geburt: “Wie ein Vieh auf der Schlachtbank”

In der Tageszeitung “Die Welt” erschien Anfang Januar 2018 ein bemerkenswerter Artikel. Er trug den Titel: “Ich fühlte mich wie ein Vieh auf der Schlachtbank” und beschreibt am Beispiel von vier Frauen, wie Schwangere unter der Geburt leiden. Bemerkenswert daran ist die Offenheit, mit der endlich einer überregionalen Öffentlichkeit vor Augen geführt wird, wie traumatisch eine Geburt verlaufen kann.

Es ist nicht von ungefähr, dass der Artikel mit Verletzungen des Beckenbodens einer der Frauen beginnt: “Wir nähen ihre Frau ein bisschen enger, damit Sie auch was davon haben”, sagt eine Hebamme zu dem Partner der Frau, die gerade geboren hat. (mehr …)