Hebammen meinen: Inkontinenz als Geburtsfolge ist heute kein Thema mehr

Wenn der Wind heftiger weht, muss man sich dagegen stemmen. Immer mehr Frauen geben sich nicht mit Beschwichtigungen zufrieden, beklagen ihre Geburtsverletzungen und fragen ihre Hebammen, warum sie nach der Geburt inkontinent sind, den Urin nicht mehr halten können oder sonstige Schäden am Beckenboden davon getragen haben. Das schafft Erklärungsnotstand, denn die Inkontinenz als Folge einer vaginalen Geburt und Schwächung des Beckenbodens ist wissenschaftlich gut belegt. Aber die Hebammen halten dagegen: Eine Leserin meines Blogs machte mich auf eine interessante Mitteilung des Hebammenverbandes in Baden-Württemberg aufmerksam. Dort steht unter der Überschrift: “Drohgebärde Inkontinenz”, dass eine Vermeidung von Inkontinenz als Vorteil für die Wahl eines Kaiserschnitts als Geburtsmodus von der Presse nicht hervorgehoben werden sollte. Warum nicht: Weil Inkontinenz als Folge der vaginalen (“natürlichen”) Geburt heute kein Thema mehr sei. Wirklich?

(mehr …)

Der lange Schatten von Geburtsverletzungen – vorbeugen für später

Geht es um Beckenbodenschäden nach einer natürlichen Geburt, so sind es nicht nur die sofort geschädigten Frauen, die Grund zur Sorge haben. Diese können zwar meist ihre Beschwerden – Urininkontinenz, Prolaps oder Stuhlinkontinenz – unmittelbar mit den Vorgängen während einer natürlichen Geburt in Verbindung bringen. Allerdings macht sich ein Geburtsschaden mitunter erst im Alter von 50+ Jahren bemerkbar. Weil das immer noch früh ist, denn auch Fünfzigjährige wollen nicht mit Windeln oder Pessaren oder Tampons oder Netzimplantaten herumlaufen, machen sich Ärzte immer öfter Gedanken, wie der Verlauf der Schäden nach der Geburt zu bewerten ist. Sprich: Sie fragen sich, welche Frauen dringender als andere nach einer Geburt Hilfe, Therapie, Unterstützung oder Beratung benötigen, um späteren Insuffizienzen des Beckenbodens vorzubeugen. Wie immer staunt man, dass wir auf der einen Seite wissenschaftliche Veröffentlichungen finden, die ganz eindeutige Sätze beinhalten wie diesen hier: “Vaginal birth is one of the strongest risk factors for pelvic Floor disorders”…., und dass auf der anderen Seite immer noch keine Standards existieren, um Frauen vor ihrer Geburt darüber aufzuklären. Wer also sollte nach einer Geburt ganz besonders auf den Beckenboden achten. Die Antwort gibt eine Publikation aus einem der profiliertesten Zentren der Frauenklinik der University von Michigan in Ann Arbor aus der Arbeitsgruppe um John O. Delancey.

(mehr …)

Geburt und Blasenschwäche: Älteren Frauen geht es besser, wenn sie einen Kaiserschnitt hatten

Niemand bestreitet mehr, dass eine Frau nach einer Geburt seltener inkontinent wird, wenn sie statt auf natürliche Weise mit einem Kaiserschnitt geboren hat. Das gilt besonders für Frauen mit Risikofaktoren – etwa wenn sie älter sind oder schwere Babys zur Welt bringen müssen. Aber häufig bestreiten Experten dies mit einem Argument, das die Schwangeren beruhigen soll: Denn erstens schütze der Kaiserschnitt nur vor leichten Beschwerden einer Inkontinenz, also wenn es nur ab und zu mal ein wenig tröpfele. Und zweitens würde sich im Alter der Unterschied sowieso aufheben: Irgendwann seien die Kaiserschnittmütter genauso häufig oder selten inkontinent wie ein vergleichbares Kollektiv von Frauen, das natürlich geboren hat. Das lässt sich nicht mehr behaupten. Vielmehr gilt: Der Kaiserschnitt hat in punkto Stressinkontinenz dauerhaft eine Schutzwirkung für den Beckenboden. Dies zeigt eine neue Studie aus Schweden, die schon jetzt als bahnbrechend bezeichnet werden muss. (mehr …)